Johannes Backhaus

Reisebericht Jamaica

Reisedaten:
August 1991 (Kurztrip von Cuba aus) und April 2001 (14 Tage)
Airlines:
Air Cubana LTU
Reiseteilnehmer:
Verfasser nebst Ehefrau Christiane und Sohn Philip
Flugroute:
Santiago de Cuba - Montego Bay und Düsseldorf - Montego Bay
Flugzeit von Deutschland:
Hinflug ca. 11 Stunden und Rückflug ca. 9 - 10 Stunden (variiert je nach Stärke des Rückenwindes)

Zahlen, Daten und Fakten zu Jamaica:

- Lage: Karibik, Große Antillen
- Größe: ca. 11.000 qkm, damit drittgrößte Insel der Antillen
- Einwohner: ca. 2,6 Mio.
- Hauptstadt: Kingston (mit Vororten ca. 1 Mio. Einwohner)
- Sprachen: Englisch als Amtssprache und Patois als Umgangssprache
- Religion: ca. 55 % Protestanten, 5 % Katholiken, 5 % Rastafari, Rest besteht aus Minderheiten von Moslems, Juden und Anhängern von Naturreligionen.
- Unabhängigkeit: seit dem 06.08.1962
- Staatsform: Parlamentarische Monarchie im britischen Commonwealth, wobei weiterhin die englische Königin Staatsoberhaupt ist.
- Wichtigste Handelspartner sind die USA und Kanada sowie Großbrittanien, Trinidad und Tobago und Japan.
- Export: Vor allem bauxithaltige Tonerde, Rum, Bananen, Zucker und natürlich Kaffee.
- Beschäftigte: Ca. 40 % in der Industrie, 35 % im Dienstleistungssektor und 10 % in der Landwirtschaft. Der Tourismus ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 19 %.

Der Ort Negril:

Negril liegt an der Westküste Jamaicas und verfügt über den längsten und wie viele meinen auch den schönsten Strand der Antilleninsel. Die Long Bay zieht sich über eine Länge von 11 Kilometern am azurblauen karibischen Meer hin.
An dieser herrlichen Bucht sind seit den 70er Jahren Hotels, Ressorts und Gästehäuser für jeden Geschmack und Geldbeutel entstanden. Vorher war Negril ein Treffpunkt für Hippies und Aussteiger, seit der Entwicklung zum Tourismuszentrum sind diese hier allerdings nicht mehr anzutreffen. Hochhäuser oder Betonburgen sucht man hier allerdings vergeblich, denn auch hier greift die "weise karibische Bauvorschrift": Kein Hotel höher als die Palmen! Daher hat sich Negril auch vielleicht noch etwas von seinem ursprünglichen Charme erhalten können.

Bars und Restaurants in jeder beliebigen Preisklasse sind natürlich auch in Hülle und Fülle vorhanden. Außerdem ist Negril auch ein Ort an dem oft und gerne Reggae-Konzerte stattfinden. So sind im Hotel Samsara, gelegen an der West End Road, in Richtung Leuchtturm, schon oft internationale Stars wie Ziggy Marley oder Third World aufgetreten. Das ehemalige Fischerdorf Negril konzentriert sich heute nur noch um die Bereiche Negrils Plaza und Kings Plaza an der Mündung des Negril River, der das große Sumpfgebiet im Hinterland von Negril, Great Morass, entwässert.

Negril endet an der felsigen Steilküste von Westend, auch The Rock genannt. Hier befindet sich auch das weltbekannte Rick`s Cafe, wo jeden Abend ab 17.00 Uhr der Sonnenuntergang zelebriert wird.

Für jeden Urlauber in Negril ist ein Besuch in Rick`s Cafe zum Sonnenuntergang eine absolute Pflichtübung. Zwar sind die Preise sehr hoch, ein Red Stripe kostet rund 10 DM aber die Atmosphäre beim Sonnenuntergang ist schon einzigartig. Zur Untermalung spielt eine Reggae-Band und sobald die Sonne am Horizont versinkt, wird von allen Besuchern laut mitgezählt. Diese Zeremonie steht in einem starken Kontrast zur vorher andachtsvollen Stille. Ein Besuch sollte also nicht versäumt werden und rechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Plätze. Ganz mutige Touristen und auch Einheimische wagen auch einen Sprung von den ca. 10 Meter hohen Klippen ins Meer.

Negril bietet auch für Taucher einiges. Entlang der Long Bay wurden sieben Tauchgebiete ausgewiesen. Aber auch Nichttaucher können sich an den Schönheiten des Meeres erfreuen. Glasbodenboote fahren mehrmals täglich hinaus zu den Korallenriffen. Überhaupt wird Wassersport an Negrils Stränden groß geschrieben. Vom Parasailing über Wasserski und Bananaboat wird praktisch alles angeboten. Für Golfsportler bietet der Negril Hills Golf Club das richtige Angebot. Auch einen kleineren Flugplatz hat Negril zu bieten, der mehrmals täglich von der Trans Jamaica Express von Montego Bay, Ocho Rios, Port Antonio und Kingston aus angeflogen wird. Für Leute, die einen lebhaften Urlaubsort mit allen Sportmöglichkeiten suchen, scheint Negril genau der richtige Platz zu sein.

Savanna la Mar:

Verwaltungssitz der Provinz Westmoreland mit ca. 20.000 Einwohnern. Der Ort liegt an der Nationalstraße in Richtung Black River an der Südwestküste Jamaicas. Sehenswert in diesem Ort sind das Fort, der Fischmarkt und das Courthouse, in dem sich gleichzeitig Gemeindeverwaltung, Polizei und Gericht befinden. Die in Savanna la Mar vorhandenen Unterkunftsmöglichkeiten sind lediglich auf Einheimische und nicht auf Touristen ausgerichtet, da Touristen den Ort lediglich als Durchreisende erleben und nicht mehrere Tage bleiben.

Belmont:

Ebenfalls an der A 2 in Richtung Black River gelegen. In diesem Ort wurde der Reggaemusiker Peter Tosh geboren und er liegt auch hier begraben, nachdem er am 11.09.1987 in Kingston erschossen wurde. Direkt an der Hauptstraße durch den Ort weist ein Schild auf das Peter Tosh Monument hin. Ansonsten verfügt der kleine Ort über keine Sehenswürdigkeiten.
Fährt man die A 2 weiter, so gelangt man nach Black River:

Der Ort mit ca. 4.000 Einwohner liegt an der Mündung des gleichnamigen Flusses, der mit ca. 70 Kilometern Länge auch der längste Fluss der Insel ist. Der Fluss mit mehreren Zuflüssen entspringt im Cockpit Country und mündet bei Black River in die Karibische See. Seinen Namen hat er nach der dunklen Erde des Flussgrundes erhalten. Die Stadt Black River ist der Ausgangspunkt für Safaritouren auf dem gleichnamigen Fluss mit vielfältiger Mangrovenlandschaft. Zahlreiche Pflanzen und Tiere lassen sich dort beobachten. So gibt es im Black River noch ca. 300 freilebende Krokodile, die man natürlich nicht alle sehen wird. Mit etwas Glück kann aber 4 oder 5 Krokodile aus nächster Nähe sehen.

Fährt man von Black River die A 2 weiter, erreicht man die ca. 5 Kilometer lange

Bamboo Avenue:

Sie stellt ein äußerst beliebtes Fotomotiv dar.

Die hohen Bambusstauden wurden Anfang des 19. Jahrhunderts von den Plantagenbesitzern gepflanzt und spenden heute reichlich Schatten. Zeitweise hat man den Eindruck, man befindet sich in einem Tunnel, so dicht schließt der Bambus in ca. 5 Meter Höhe ab. Bevor man die Bamboo Avenue erreicht hat man ca. 2 Kilometer vorher an einer Tankstelle die Möglichkeit, die Abfahrt zu den
Black River Falls:
zu nehmen. Sie werden im allgemeinen Sprachgebrauch der Jamaicaner auch Y. S. Falls genannt.

Woher dieser Name stammt, weiß keiner mehr zu sagen. Für viele sind die Y. S. Falls die schönsten Wasserfälle Jamaicas, zumindest sind sie bei weitem nicht so überlaufen wie Dunns River Falls bei Ocho Rios. Der Eintritt zu den Wasserfällen kostet zusammen mit einer gut 1 ½-stündigen Bootsfahrt auf dem Black River und einem ganz ordentlich Mittagessen 31 US-Dollar. Ein Tagesausflug von Negril ist mit etwas Verhandlungsgeschick incl. Eintrittsgeldern für rd. 46 US-Dollar zu haben. Fährt man zu den Y. S. Falls gelangt man zunächst zu einem Parkplatz mit Bar und Souvenirshop. Die Preise für Speisen und Getränke halten sich hier im Rahmen. Vom Eingang fahren Planwagen, die von Traktoren gezogen werden direkt zu den Wasserfällen. Die Fahrt erfolgt durch sehr schönes Weideland, daß mit herrlichen, alten Bäumen bestanden ist.

Auch an den Wasserfällen bekommt man was gegen Hunger und Durst zu durchaus zivilen Preisen. Kinderspielplatz und Liegewiese sind ebenfalls vorhanden. Ein Fußweg führt rechts an den Y. S. Falls nach oben. Mehrere Naturbecken laden im herrlich klaren und angenehm kühlen Wasser zum Baden ein. Durch ortskundige Führer wird man an die besten Stellen geleitet (kleines Trinkgeld). An der obersten Stufe besteht die Möglichkeit, sich an Lianen bis in die Mitte dieses Wasserbeckens zu schwingen und sich dort fallen zu lassen. Vor allem für Kinder, aber auch für Erwachsene ein großes Vergnügen.
Nachdem man genug das kühle Wasser genossen hat, sollte man den Rückweg nach Negril nicht über die A 2, sondern durch die Santa Cruz Mountains antreten. Zu diesem Zweck fährt man in Richtung Cockpit Country. In den Bergen kann man viele schöne Ananas- und Bananenplantagen sehen. Auch hat man teilweise einen herrlich Ausblick über Teile der Insel.

Geschichtsinteressierte Touristen sollten einen Abstecher nach Seaford Town oder auch German Town nicht versäumen.

Sobald man ins Dorf gefahren ist, wird man über die vielen hellhäutigen und oft auch blonden Einwohner erstaunt sein. Gut ein Drittel der Dorfbewohner sind deutscher Abstimmung, daher auch die jamaicanische Bezeichnung "German Town". Die Vorfahren wurden um 1830 von den damals herrschenden Engländern auf die Insel geholt, um die freigelassenen Sklaven als Arbeitskräfte abzulösen. Die damals gemachten Versprechungen wurden von den Kolonialherren niemals eingelöst, so daß sich die deutschen Auswanderer mehr schlecht als recht durchs Leben schlugen. Die Vorfahren der heutigen Bewohner stammen überwiegend aus Norddeutschland, zum Großteil aus Orten entlang der Weser. Bis vor 2 bis 3 Generationen blieben die "Deutschen" auch unter sich, erst seit ca. 70 - 80 Jahren heiratete man auch in die jamaicanische Bevölkerung ein. Trotzdem wird heute noch vielfach Deutsch verstanden und auch gesprochen.

Über Savanna la Mar kommt man anschließend zurück nach Negril, vielleicht rechtzeitig genug, um noch einmal einen Sundown in Rick`s Cafe zu zelebrieren.

Kingston:

Mit rd. 1 ½ Millionen Einwohnern der politische, kulturelle und wirtschaftliche Mittelpunkt der Insel. In Kingston wird der Unterschied zwischen armen und reichen Jamaicanern mehr als deutlich. Krasser als der Vergleich zwischen den noblen Villenvororten und den zahlreichen Elendsquartieren kann man dies nicht in Worten beschreiben. Auf keinen Fall sollte man allein oder ohne einheimische, fachkundige Führung die Elendsviertel nicht betreten. Dies ist aus Sicherheitsgründen ein gut gemeinter Hinweis.

Montego Bay:

Von den Einheimischen wird die mit ca. 80.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Jamaicas auch Swinging MoBay genannt. Fast alle Touristenflüge kommen auf dem Donald Sangster International Airport an. Daher erhalten die meisten Touristen von Montego Bay ihre ersten Eindrücke von der Insel. MoBay selbst zählt zu den Touristenhochburgen auf Jamaica und verfügt über einige der Spitzenhotels der Insel. Aber auch hier gibt es natürlich wieder für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel Unterkunftsmöglichkeiten aller Art. Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt legen mit den entsprechenden Tagestouristen natürlich auch in Montego Bay an. Entsprechend groß ist auch das Getümmel in den Geschäften der City und an den Stränden. Der berühmteste Strand MoBays ist der Doctor Cave Beach.

Reggae-Musik:

Die Musik Jamaicas, die durch Bob (Robert Nesta) Marley weltberühmt wurde. Beherrschend durch den treibenden Bass, unterstützt durch afrikanische Trommeln, Keyboard und verschiedene Gitarren eroberte diese Musikrichtung ab Mitte der 60-er Jahre die Welt. Bob Marley gemeinsam mit Peter Tosh, Bunny "Wailer" Livingston und Junior Braithwaithe gründeten die erste jamaicanische Band, "The Wailers", die durch ihre Songs zu Weltruhm gelangte. Die Melodien waren sehr einprägsam, aber auf die Texte hörte außerhalb Jamaicas zunächst niemand, aber gerade diese waren der erste Grund für die Bands diese Songs zu schreiben. Die Texte, gerade von Bob Marley und auch von Peter Tosh, waren sehr sozialkritisch und sparten nicht mit Kritik an Land, Leuten und Regierung. Deshalb war ihr Ansehen in der höheren Bevölkerungsschicht Jamaicas auch höchst umstritten, obwohl beide Musiker nach ihren ersten Erfolgen Plattenmillionäre waren. So schildert zum Beispiel der weltbekannte Song:
shot the sheriff (Text by P. Tosh, Music by B. Marley)

Die gewalttätige Auseinandersetzung zwischen einem illegalen Marihuana-Bauern und der Polizei. Von Jamaica aus begann der Siegeszug des Reggae um die gesamte Welt und ist immer noch ein fester Bestandteil der internationalen Musikszene. Auch ausländische Musikgruppen wie z. B. UB 40 oder Police ließen sich durch den einzigartigen Reggaesound beeinflussen und haben ihren Musikstil in diese Richtung hin ausgerichtet. Das bekannteste Reggae-Festival auf Jamaica ist das Sunsplash-Festival, welches jährlich stattfindet. Allerdings ändert sich der Veranstaltungstermin auch jedes Jahr.

Die Rastafari:

Der Name rührt her von Ras Tafari Makonnen, einem Urenkel des früheren athiopischen Königs Saheka Selassie. Ras Tafari wurde 1930 in Äthiopien zum Herrscher gekrönt und trug demnach den Namen Haile Selassie, der Erste. Er wurde auch als der von Gott Auserwählte bezeichnet. Nach dieser Kaiserkrönung schienen sich die Voraussagungen des jamaicanischen Volkshelden und Politikers Marcus Garvey zu erfüllen. Dieser hatte Jahre zuvor vorausgesagt, daß das gelobte Land Afrika in Zukunft einen Herrscher hervorbringen würde, der das geknechtete und versklavte Volk der Schwarzen heim nach Afrika bringen würde. Von den Rastafari wird sowohl die christliche Bibel, daß vorwiegend von Weißen geprägte Gesellschaftssystem als auch der "Christus der Weißen" als Babylon abgetan. Ihr Glaube bezieht sich auf eine Amharisch- Bibel, deren Inhalt eng an das Alte Testament geknüpft ist. Amharisch war jahrhundertelang die Sprache Äthiopiens.

Rastafari oder auch kurz Rastas genannt, tragen ihre Haare in Form von ungekämmten Locken, den sog. Dread Locks. Auf Alkohol, Nikotin und Kaffee verzichten echte Rastas. Dagegen gehört der Verzehr von Ganja, also Marihuana, zur Ausübung ihrer Religion. Sie treten daher auch öffentlich für die Legalisierung von Rauschgift ein.
Die erste Rastafari-Gemeinde wurde ca. 1940 in einem Kingstoner Ghetto gegründet. Um 1970 wandte sich auch Bob Marley der Rastabewegung zu. Dadurch nahm man auch weltweit von dieser Bewegung Kenntnis. Obwohl Haile Selassie der Erste 1974 gestürzt wurde und auch ungefähr ein Jahr später verstarb, hatte dies keine Auswirkungen auf die jamaicanischen Rastas. Der ehemalige Kaiser von Äthiopien wird heute auf der Insel noch genauso verehrt, wie damals.
In den Touristenzentren trifft man heute auch viele "Möchtegern-Rastas", die echten Rastafari sollen zurückgezogen im Landesinnern leben.

Viel Spaß auf Jamaica wünschen
Der Autor und Familie

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Johannes Backhaus
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