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Reisebericht Sri Lanka
Reisen des Verfassers:
4 mal 3 Wochen zwischen 1996 und 1999, vorwiegend im Bereich der Süd- und Südwestküste, sowie im Hochland der Insel.
Reiseteilnehmer:
Ehefrau Christiane und Sohn Philip
Allgemeine Angaben zum Land:
Name: Demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka
Früherer Name: Ceylon
Lage: Südasien, ca. 1.000 km nördlich des Äquators
Nachbarländer: im Norden Indien und im Südwesten die Malediven, zwischen der Südspitze Sri Lankas und der Antarktis liegt kein Land mehr.
Größe der Insel: ca. 66.000 qkm
Geographie: Tiefland mit zentralem Hochland im Innern der Insel
Klima: Tropisches Monsunklima, ständig heiß und sehr hohe Luftfeuchtigkeit.
Einwohner: ca. 19 Millionen
Niedrigster Punkt: Meeresspiegel
Höchster Punkt: Berg Pidurutalagala mit 2.524 m
Flüsse: Mahaweli, Aruvi, Kala
Hauptstadt: Colombo
Regierungsform: Republik mit einem Staatspräsidenten als Staatsoberhaupt.
Regierungschef: Ministerpräsident
Politische Gliederung: 9 Provinzen und 24 Distrikte
Gesetzgebung: Parlament mit 168 Abgeordneten, die auf 6 Jahre vom Volk gewählt werden.
Sprache: Singhalesisch und Tamilisch (örtlich begrenzt)
Religion: Ca. 70 % Buddhisten, 15 % Hindus und je 7,5 % Christen und Moslems.
Währung: Sri Lanka Rupie
Export: Tee, Kautschuk, Textilien, Kokos und Kakao.
Import: Maschinen, Erdöl, Fahrzeuge, Nahrungsmittel und Konsumgüter.
Handelspartner: EU, Japan, USA, VAE, Indien und China.
Verkehr: In den touristisch ausgebauten Gebieten ist das Straßennetz ganz ordentlich, in abgelegeneren Gegenden häufig nur Schotterpisten.
Das Schienennetz hat eine Länge von fast 1.500 km (wurde von noch von der Kolonialmacht Großbritannien angelegt).
Die Hauptstadt Colombo:
Eine typische asiatische Großstadt, ein Moloch, der unkontrolliert auswuchert und von Tag zu Tag, bedingt durch die Landflucht,
wie in fast allen Ländern der Dritten Welt, größer wird.
Der Name Colombo stammt vom singhalesischen Wort Kalamba, dies bedeutet Hafen, ab. Tatsächlich ist der Hafen von Colombo
auch heute noch der Wirtschaftsmittelpunkt der Stadt. Bedingt durch die geringen Liegegebühren, die deutlich geringer sind, als sonst wo auf der Welt,
hat sich der Containerhafen von Colombo nach Rotterdam zum zweitgrößten Containerhafen der Welt entwickelt. Containerschiffe aus aller Herren Länder liegen
vor der Hafeneinfahrt auf Reede und warten darauf, ihre Container zu löschen. Besonders schön ist diese Kette von Schiffen von Wattala, ca. 25 Kilometer von Colombo
entfernt, zu sehen.
Übrigens stellt Colombo, wie schon seit Jahrhunderten, ein Spiegelbild, der Inselgesellschaft dar. Man sieht deutsche Luxuslimousinen auf den
Hauptstraßen neben sogenannten Tuk-Tuk`s fahren, genauso wie den singhalesischen Geschäftsmann neben dem bettelnden Kleinkind. Es ist ein paradoxes
Bild und für uns "wohlhabende" Europäer nur sehr schlecht zu verstehen und nachzuvollziehen.
Wenn man sich erst einmal in dem Getümmel von Autos, Tuk-Tuk`s, Menschen und auch Tieren zurecht gefunden hat sollte man versuchen zum Zentrum,
Colombo-Fort, zu kommen.
Es empfiehlt sich ein Tuk-Tuk für eine Tour durch Colombo zu nehmen, denn diese sind erst einmal schneller als Autos und zum zweiten billiger als Taxis.
Manchmal bekommt man auch noch etwas frische Luft, wenn der Verkehr nicht zu dicht ist.
Colombo Fort ist das britische und portugiesische Viertel der Hauptstadt, deutlich ist die Handschrift der ehemaligen Kolonialmächte noch zu erkennen ist.
Das eigentliche Fort wurde im frühen 16. Jahrhundert von den Portugiesen erbaut. Allerdings stammen die meisten Gebäude in diesem historischen Viertel von den
Engländern. Interessant sind vor allem das alte Parlament, das President`s House (leider nicht für die Öffentlichkeit geöffnet) und natürlich der alte Clocktower, sowie
die Independence Hall.
Seinen Aufstieg verdankte Colombo seiner bevorzugten Lage direkt am Meer, was den Kolonialmächten die Möglichkeit eröffnete, die großen Mengen der
abgeernteten Gewürze von hier verschiffen zu können.
Ebenfalls noch interessant der Stadtbezirk Pettah, der einem riesigen Markt gleicht. Hier kann man von Textilien über Obst und Gemüse bis hin zu Schmuck
alles bekommen. Natürlich werden auch Tee und Gewürze verkauft.
Wichtig: Der Bezirk ist nach Waren gegliedert, so sind z. B. einige Straßen ganz bestimmten Artikeln wie z. B. Gold oder Schmuck vorbehalten. Am besten
findet man sich mit einem einheimischen Führer, der sich hier auskennt, zurecht.
Empfehlenswert im vornehmeren Vorort Mount Lavinia ist das Mount Lavinia Hotel, der frühere Palast des englischen Gouverneurs.
Insgesamt bleibt für Colombo festzuhalten, dass es durchaus auch nette und interessante Seiten der Stadt gibt, es sich bei der Hauptstadt Colombos
über einen asiatischen Moloch handelt, in dem Armut und Elend überwiegt. Es läßt sich aber für einen Besucher Sri Lankas kaum vermeiden, die Stadt zu umgehen.
Für eine Fahrt vom Airport durch die Stadt kann man durchaus zwei Stunden einplanen.
Auf dem Weg vom Flughafen in Richtung Südwestküste kommt man auch durch Wattala, hier kann ich das Hotel Pegasus Reef empfehlen, welches sich
für einen Kurzaufenthalt eignet, um Ausflüge ins Landesinnere zu unternehmen.
Fährt man also vom Airport in südlicher Richtung weiter kommt man über Wattala nach Colombo. Sobald man die quirlige Hauptstadt hinter sich gelassen hat,
erreicht man nach einigen Kilometern
Kalutara:
eine Stadt, die heute ca. 45.000 Einwohner zählt und als Umschlagplatz für Obst und Gemüse aus dem landwirtschaftlichen Umfeld dient. In der Vergangenheit
wurden von hier vor allem Gewürze vertrieben.
Bekannt geworden ist Kalutara auch durch die große Dagoba, die einzig begehbare Dagoba Sri Lankas. Schon von weitem sieht man die Kuppel der buddhistischen
Religionsstätte. Sie ist durchaus einen Besuch wert.
Empfehlenswert in Kalutara ist das Sindbad Hotel, auf einer Halbinsel im Indischen Ozean gelegen.
Weiter geht die Fahrt entlang der Südwestküste in Richtung
Beruwela:
Ein vom Islam geprägter Ort, der vor über 1.000 Jahren von maurischen Händlern gegründet wurde. Hier findet man heute noch vornehme islamische
Anwesen, die Moslems gehören, die ihren Wohlstand dem Handel mit Edelsteinen verdanken.
Beruwela verfügt auch über das bedeutenste islamistische Bauwerk des Landes, die Kechimalai Moschee.
Der Ort ist aber heute vorwiegend vom Tourismus geprägt, so befinden sich sehr viele Touristenhotels in Beruwela, davon einige sehr gute Luxushotels.
Der nächste bedeutende Ort auf der Südwestroute ist
Bentota:
Hierbei handelt es sich um einen Bade- und Touristenort, der seit sehr vielen Jahren (Sri Lanka ist das älteste Fernreiseziel der Deutschen) ein beliebtes Ziel für
Touristen aus aller Welt darstellt.
Die meisten Hotels, für Einheimische allerdings kaum zu bezahlen, befinden sich auf einer Halbinsel.
Über Koggala gelangt man nach
Hikkaduwa,
dem ältesten und für lange Zeit auch bedeutensten Badeort der Insel. Vorher, in den 60er und 70er Jahren war Hikkaduwa Szenetreff der Hippies und Aussteiger.
Die Aussteiger sind lange fort und den Rang als Touristenhauptstadt hat der Ort mittlerweile an Bentota und Beruwela abtreten müssen. Trotzdem sind hier immer noch gute
Hotels vorhanden und Hikkaduwa hat sich teilweise auch noch etwas von seinem ursprünglichen Charme erhalten können.
Mit etwas Glück lassen sich am Strand noch die berühmten Stelzenfischer beobachten, die aber heute mehr vom Trinkgeld der Touristen, als von Fischfang leben, beobachten.
Hikkaduwa ist allerdings immer noch ein Geheimtip für Taucher geblieben. Das vorliegende Riff ist große Klasse.
Die nächste und letzte größere Stadt an der Südwestküste ist
Galle:
Die Stadt, mit heute rd. 100.000 Einwohnern, wurde im 17. Jahrhundert von den Portugiesen gegründet. Heute noch zu erkennen am Fort, welches sich malerisch
über dem Meer erhebt.
Leider sind viele der historischen Bauten aufgrund der Witterung und der mangelnden finanziellen Mittel im Verfall begriffen.
Vielleicht lassen sich die Kolonialbauten mit Finanzhilfe aus den wohlhabenderen Ländern doch erhalten. Die Gebäude wären es wert.
Von Galle sind es noch ca. 70 Kilometer, man fährt über Weligama, bis zum südlichsten Punkt der Insel. Von hier bis zur Antarktis liegt kein Land mehr, also von
Tropen bis zum ewigen Eis nur noch Wasser. Ein geographisch wichtiger, aber ansonsten relativ unbedeutender Ort.
In Galle selbst sollte man einen Drink im Hotel Galle Face nehmen. Das Galle Face ist ein Haus im Kolonialstil. Hier fühlt man sich wie vor 100 Jahren, als wäre die Zeit stehen
geblieben.
Zurück nach Galle, von hier lohnt sich ein kurzer Abstecher nach Ambalangoda, der wirklichen Hochburg der singhalesischen Holzschnitzkunst.
Hier gibt es eine Werkstatt, in denen man den Schnitzern bei der Arbeit zusehen kann, auch die Lackierungsarbeiten können begutachtet werden. Was hier gefertigt wird, ist absolute Handarbeit und zum großen Teil nicht mit den Arbeiten zu vergleichen, die an den Touristenstränden für "kleines Geld" angeboten werden. Es werden nur Natur- und keine Kunstfarben für die Lackierung verwendet, es ist alles absolute Handarbeit und die gefertigten Masken haben einen realistischen, historischen Hintergrund. Ich selbst habe in Ambalangoda eine Maske des Schlangengottes gekauft, die heute noch ein Schmuckstück in meiner Maskensammlung darstellt.
Da wir die Südwestküste jetzt abgeklappert haben, fahren wir schnell zurück in Richtung Hauptstadt und treten von dort aus unsere nächsten Exkursionen an.
Nördlich von Colombo befindet sich der Touristenort
Negombo:
Ursprünglich war Negombo ein Fischerort der christlichen Einwohner. Auch heute stellen Katholiken den Großteil der Bevölkerung und gefischt wird auch noch,
aber einen erheblichen Teil am Einnahmen des Landstrichs nehmen mittlerweile die Einnahmen aus dem Tourismus ein.
Negombo verfügt über eine reiche Anzahl an Mittelklassehotels und der Strand ist wirklich erstklassig.
Nun verlassen wir die reinen Touristenorte und fahren in das Landesinnere in Richtung Nordosten:
Erstes Ziel ist das Pinnawela Elefantenwaisenhaus.
Wenn man die Straße von Colombo in Richtung Kandy nimmt, kommt man automatisch hier vorbei. Im Elefantenwaisenhaus werden rund 80 indische Elefanten gehegt,
gepflegt und versorgt. Vorwiegend handelt es sich um junge Elefanten, die von ihren Müttern alleingelassen wurden, oder deren Eltern von rücksichtslosen Wilderern erschossen
wurden. Auch kranke Jungtiere werden hier von sehr bemühten Pflegern wieder gesund gepflegt.
Das Elefantenwaisenhaus öffnet morgens um 08.30 Uhr. Sofort beginnt der Run auf das überdachte Freigehege, in dem die
Jungtiere um 09.15 Uhr mit warmer Milch aus großen Flaschen gefüttert werden.
Vor allem für Kinder, aber natürlich auch für Erwachsene ist die Fütterung ein einmaliges Ereignis.
Die ausgewachsenen Dickhäuter werden in Pinnawela für Arbeiten herangezogen. Sie transportieren Holzstämme und andere Lasten. Dies ist ein wichtiger Teil der
Therapie, um die teilweise gequälten Tiere wieder an ein normales Leben zu gewöhnen auch wenn es nur als "Arbeitselefant" ist. In freier Wildbahn wären die meisten Tiere
elendig verendet. Ich habe zum Beispiel einen dreibeinigen Elefanten dort gesehen, der im umkämpften Gebiet um Trincomalee auf eine Landmine getreten ist. In Pinnawela
kann er wenigstens noch weiterleben.
Bis zum nächsten Schauspiel verbleibt noch etwas Zeit, so dass man sich in aller Ruhe auf dem weitläufigen Gelände umsehen kann. In einer herrlichen Landschaft
können sich die Elefanten frei bewegen, niemals fühlt man sich an einen Zoo oder einen Tierpark erinnert.
Über die wenig befahrene Straße gelangt man das von flachen Felsen umsäumte Ufer des Maha Oya, einem Gebirgsfluss, der hier über etliche Stromschnellen in ruhigeres
Gewässer übergeht. Das Flussufer auf der gegenüberliegenden Seite ist echte Dschungellandschaft, ein grüner Moloch, der bis an das Ufer reicht. In der Mitte des Flusses
gibt es einige kleinere Sandbänke. Hier findet am frühen Vormittag das tägliche Elefantenbad statt.
Dies ist für jeden Betrachter ein Mordsspektakel, wenn 40 bis 50 Elefanten in den Fluss getrieben werden.
Vor allem für Kinder ist das Badevergnügen ein Heidenspaß, für ein kleines Trinkgeld werden Kinder auch schon mal von den Führern direkt mit an das Flussufer genommen,
so dass sie dann auch wirklich hautnah dabei sind.
Für die Erwachsenen gibt es oberhalb des Maha Oya ein Restaurant, in dem es zu zivilen Preisen Speisen und Getränke gibt.
Von Pinnawela ist es noch gut eine Stunde Fahrt bis nach
Kandy
der wahrscheinlich schönsten Stadt Sri Lankas. Kandy hat rd. 140.000 Einwohner und ist damit die zweitgrößte Stadt Sri Lankas. Kandy liegt landschaftlich sehr schön inmitten
tropisch bewachsener Hügel. Blick- und Mittelpunkt Kandys ist der Kandy-Lake, ein künstlich angelegter Stausee.
An seinem Nordufer liegt der berühmte Zahntempel (Dalada Maligara). Er liegt eingebettet in eine große, gepflegte Parkanlage, mit einer schönen Aussicht über den Stausee.
Hier kann man einen schönen und interessanten Rundgang vor der Tempelbesichtigung machen.
Bevor man allerdings in den näheren Tempelbereich eingelassen wird, muss man sich allerdings einigen Personenkontrollen unterziehen. Aus Angst vor Terroranschlägen
der Tamil-Tiger (s. auch Tamilenkonflikt) ist das Gelände großräumig abgesperrt und man muss einige Leibesvisitationen über sich ergehen lassen, bevor man den heiligen
Bereich betreten kann (unbedingt für Männer eine lange Hose erforderlich, allerdings kann man sich direkt am Eingang einen Sarong für eine geringe Gebühr leihen).
Der letzte große Anschlag auf den Kandy-Tempel war 1998, dabei wurde ein großer Teil des Eingangsbereiches und auch ein erheblicher Teil der achteckigen Bibliothek zerstört.
Zudem waren leider auch einige Menschenleben, darunter auch die Attentäter, zu beklagen.
Nachdem ich den Zahntempel das erste mal nach dem letzten großen Anschlag wiedersah, war er für mich kaum wiederzuerkennen. Mittlerweile wird zwar eifrig renoviert und
restauriert, aber die zerstörten Gemälde, Figuren, Bücher und Schriften sind natürlich nicht zu ersetzen.
Im Zahntempel soll angeblich das größte Heiligtum der Buddhisten, ein Backenzahn Buddhas, in einem mehrfach verschachtelten Schrein in Form einer Dagoba, aufbewahrt
werden. Ob es sich aber tatsächlich um einen Zahn Buddhas handelt, ist mehr als fraglich, doch nur der Glaube zählt. Besichtigen kann man die Reliquie aber nicht. Aber auch
sonst bietet der Tempel viel Sehenswertes aus der Glaubenswelt der Buddhisten.
Einmal im Jahr, während des Vollmondes im August findet die Esala Perahera, eine farbenprächtige Prozession mit geschmückten Elefanten, Tempeltänzern und Musikgruppen
statt, auf der auf einem goldgeschmückten Elefanten eine Kopie des heiligen Zahns mitgeführt wird.
Wer die Prozession live miterleben möchte, sollte sich rechtzeitig nach dem jährlichen Termin erkundigen und, was noch viel wichtiger ist, frühzeitig ein Hotelzimmer reservieren,
denn während der Esala Perahera ist in Kandy und Umgebung praktisch kein Bett mehr frei.
Ich kann das Hotel Suisse empfehlen, welches auf einem der umliegenden Hügeln liegt und einen fantastischen Ausblick auf die Stadt und den "Weißen
Buddha bietet. Zimmer, Service, Essen und Getränke sind ebenfalls sehr gut. Es gibt aber noch weitere sehr gute bis preiswerte Hotels in Kandy und Umgebung, deren
Aufzählung aber hier zu weit führen würde.
Nach ca. 3 Stunden Fahrt durch das atemberaubende Hochland und durch herrliche Teeplantagen, (Besichtigungsmöglichkeiten in Teefabriken gibt es reichlich)
erreicht man
Nuwara Eliya
Von den Einheimischen wird "Nureliya" auch die "Stadt über den Wolken" genannt, denn das einstige Erholungsziel der englischen Kolonialherren liegt auf über 2.000 Metern
Höhe. Hier herrscht ein für Europäer sehr angenehmes Klima, die Jahresmitteltemperatur liegt bei rund 20 ° und nachts sinkt diese selten auf unter 10 °. Kein Wunder, dass es die
damaligen Herren hierhin zog. An den noch vorhandenen Gebäuden kann man noch den britischen Stil erkennen, bestes Beispiel hierfür ist der noble Hill Club, in dem heute
noch Singhalesen nur als Personal Zutritt haben, deswegen sollte man einen Besuch in diesem, wenn auch schönen, aber doch versnobten Club meiden. Aber es gibt auch
sonst sehr schöne und gute Restaurants und Hotels in Nuwara Eliya, so dass schon jeder auf seine Kosten kommen wird.
Von Nureliya lassen sich auch schöne Ausflüge unternehmen, einer der schönsten und spektakulärsten ist der in die Horton Plains, mit dem Ziel "World`s End". Beim Blick in
die mehrere hundert Meter tiefe Schlucht meint man wirklich, man wäre am Ende der Welt.
Da wir gerade am "Ende der Welt" sind, sollte der aktive Reisebericht über Sri Lanka auch hier enden, weitere lohnenswerte Ziele auf der Insel des "strahlend schönen
Landes" werde ich in einem Bericht "Sri Lanka II" hier veröffentlichen.
Weitere lohnenswerte Ausflugsziele:
Anuradhapura:
Alte Königsstadt mit hervorragenden Dagobas und bildet zusammen mit Pollonaruwa und Kandy das goldene Dreieck Sri Lankas.
Dambulla:
In 5 Höhlen befinden sich hier einzigartige Kunstschätze des Landes. Schöne Felsmalereien.
Kandalama:
Östlich von Dambulla an einem schönen See gelegen, bildet dieser Ort das Zentrum der Ayurveda-Medizin.
Kitulgale:
Auf dem Weg von Nuwara Eliya nach Colombo kommt man unweigerlich durch diesen Ort, in dem in den 50er Jahren der Filmklassiker "Die Brücke am Kwai"
gedreht wurde. Ein recht nettes Restaurant mit Originalbildern des Films und einem schönen Blick auf den Fluss ist vorhanden (zivile Preise).
Polonnaruwa:
Großartige Tempel- und Palastanlagen, die von der UNESCO zu Recht zum Erbe der Menschheit erklärt wurde. Mittelpunkt ist die ca. 14 m lange und liegende
Statue des sterbenden Buddha.
Sigiriya:
In dem ca. 200 m hohen Felsen befinden sich die weltberühmten Fresken der "Wolkenmädchen". Den Aufstieg über schiefe und schräge Treppen
sollte man am besten am frühen Morgen unternehmen.
Uda Walawe Nationalpark:
Naturpark im Südosten der Insel, in dem es vor allem Elefanten und Vögel zu sehen gibt. Übernachtungsmöglichkeiten sind äußerst begrenzt, daher ist
auch hier eine rechtzeitige Vorausbuchung erforderlich.
Yala Nationalpark:
Tiere getan, so sind auch nur ca. 10 % des Naturschutzgebietes für den Besucher frei zugänglich, der restliche Bereich bleibt allein den Tieren überlassen.
Im Yala NP gibt es sicherlich alle Tiere, die auf der Insel vorkommen, zu sehen. Mit Leoparden, Elefanten, Wasserbüffeln, Affen und Krokodilen seien hier nur einige genannt.
Übernachtungen sind für Besucher nach Voranmeldung möglich (2 Campingplätze und Bungalows sind vorhanden).
Der Tamilen-Konflikt:
Eigentlich ist die ethnische Auseinandersetzung zwischen Singhalesen und Tamilen eigentlich kein Thema für einen Reisebericht, da aber jeder interessierte Leser sicher
schon etwas in den deutschen Medien darüber gelesen, gehört oder auch gesehen hat, so wird er auch beim Besuch der Tropeninsel
(zumindest am Airport und in der Hauptstadt) ständig mit diesem bürgerkriegsähnlichem Konflikt konfrontiert. Daher bin ich der Meinung, sollte auch in diesem
Reisebericht dieses Problem nicht unerwähnt bleiben, da ein "Totschweigen" der Lösung der Problematik ja nicht weiterhilft.
Sri Lanka hat rd. 20 Millionen Einwohner. Hiervon sind rund 70 % Singhalesen und 20 % Tamilen. Beide Rassen haben gemeinsame Ursprünge, so stammen sie
beide vom indischen Subkontinent ab, die Singhalesen aus Nordindien und die Tamilen aus Südindien. Auch ihre Sprachen sind artverwandt, sie sind beide indischen Ursprungs.
Obwohl die meisten Singhalesen Buddhisten und die meisten Tamilen Hindus sind, handelt es sich bei dem Konflikt nicht nur um einen Glaubenskrieg,
vielmehr geht es um die politische Zukunft des Landes und insbesondere um die Aufteilung des derzeitigen Staatsgebietes. Die singhalesische Mehrheit will
den derzeitigen Staat in seiner jetzigen Form beibehalten, während die Tamilen den nördlichen Teil der Insel (Gebiet um Jaffna) und den östlichen Inselteil
(Gebiete um Tricomalee und Batticaloa) für sich beanspruchen, um dort einen eigenständigen Tamilenstaat zu bilden. Dies stößt auf unerbittlichen Widerstand der
singhalesischen Mehrheit.
Obwohl viele die Gründe für den Konflikt bereits im Altertum vermuten, halte ich es für eher wahrscheinlich, dass die heutigen Konflikte eher durch die
Einführung des Singhalesischen als Staatssprache im Jahre 1948 in die Unabhängigkeit im Britischen Commonwealth ausgelöst wurden. Bereits damals kam es
zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, da die Tamilen zu Recht in der Festsetzung einer Staatssprache einen weiteren Schritt zu ihrer Unterdrückung sahen.
Durch große wirtschaftliche Problem beim Absatz von Tee und Kautschuk auf dem Weltmarkt kam es zu einem Abkommen zwischen dem damaligen Ceylon und Indien,
welches eine Rückführung von "Indien-Tamilen" nach Indien vorsah. Dies war ein weiterer Schritt zur Unterdrückung der tamilischen Minderheit.
Im Jahre 1972 wurde die Republik, seit 1978 die Demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka, gegründet. Hierauf kam es in den Folgejahren zu erheblichen
Streitigkeiten unter den Singhalesen. Bei den Parlamentswahlen 1977 kam es unter den zerstrittenen Singhalesen zu äußerst blutrünstigen Auseinandersetzungen,
die in Mordanschlägen und Brandstiftungen gipfelten.
Aufgrund dieser Geschehnisse wurden die Forderungen der Tamilen nach einem "Tamil Ceylon", also einem eigen- und selbständigen Staat immer lauter.
Nachdem die tamilischen Forderungen zunächst von singhalesischer Seite nicht recht ernst genug genommen wurde, eskalierte die Situation im Juli 1983, als
bei einem Bombenanschlag in Jaffna 13 Soldaten getötet wurden. Da der Anschlag den Tamilen zugerechnet wurde, rächten sich die Singhalesen und ermordeten im
Süden der Insel (Colombo und Umgebung) über 400 Tamilen. Hierbei ist erwähnenswert, dass die Racheakte nicht von Regierungssoldaten oder Polizeieinheiten verübt
wurden, sondern von einem sich zusammenraffenden singhalesischen Mob, der hier an Unschuldigen Lynchjustiz verübte. Diese Taten veranlassten viele Tausende
Tamilen, das Land entweder zur Flucht in die nördlichen und östlichen Landesteile, die vorwiegend von Tamilen besiedelt werden, oder nach Indien oder selbst nach Europa.
Seit dieser Zeit sind auch viele Tamilen in Deutschland heimisch geworden.
Um den Konflikt auf Sri Lanka weiter zu schüren, begann die indische Armee, im Norden der Insel Trainingslager für paramilitärische Gruppen einzurichten.
Ziel dieser Camps war die Ausbildung tamilischer Kampftruppen um einen Krieg gegen die Regierungstruppen beginnen und durchhalten zu können. Die paramilitärischen
Gruppen waren zunächst unter dem Oberbegriff "Tiger" bekannt, zu zweifelhaftem Weltruhm, bedingt durch die rücksichtslosen und brutalen Anschläge, hat es bis heute
die Gruppe der "Tamil Tigers" gebracht.
Eigentlicher Drahtzieher in diesem Gewaltspiel war aber Indien, welches sich durch Unterstützung der tamilischen Minderheit insgeheim eine Vereinnahmung Sri Lankas
in ihr eigenes Staatsgebiet versprach.
Die tamilischen Freiheitskämpfer mit indischer Unterstützung genossen zunächst auch internationale Sympathie. Diese verflog allerdings nach einem Massaker an
singhalesischen Zivilisten (ca. 150 Tote) in Anuradhapura im Mai 1985 sehr schnell. Danach sah auch Indien seine Pläne durchkreuzt und zog seine Ausbildungstruppen
zurück und stellte die Waffenlieferungen ein. Dagegen schickte der große nördliche Nachbar Mitte 1987 eine Friedenstruppe auf die Insel.
Einen positiven Effekt erzielte diese Maßnahme allerdings nicht. Seit gut 14 Jahren reihen sich Gewalt- und Terrorakte und anschließende Vergeltungsmaßnahmen nahtlos
aneinander.
1988 griff die Auseinandersetzung sogar auf die benachbarten Malediven über, als 70 Mitglieder der tamilischen Befreiungsbewegung versuchte, die Regierung des
Inselstaates zu stürzen.
1990 zog Indien seine Friedenstruppe zurück, eine Besserung der Situation trat jedoch nicht ein, in den nächsten Jahren steigerte sich die Zahl der politisch motivierten
Anschläge auf bis zu 170 pro Tag. Eine unglaubliche Terrorserie, die von beiden Seiten immer weiter nach oben gepowert wurde. Ein Höhepunkt der Anschlagsserie stellt
auch der zuvor geschilderte Anschlag auf den Zahntempel von Kandy dar.
Ein Ende des Bürgerkrieges ist bis heute nicht in Sicht und erscheint aufgrund der immer weiter verhärtenden Fronten wohl kaum ohne internationale Hilfe realisierbar.
Allerdings tun sich hier die internationalen Hilfsorganisationen sowie die UNO äußerst schwer, vielleicht ist die kleine Tropeninsel für die Welt zu uninteressant. Schade.
Die zuvor geschilderte Auseinandersetzung zwischen den Tamilen und Singhalesen mag manchen Leser dieses Berichts von einem Besuch der tropischen Insel
abschrecken, ich kann aber jedem Touristen nach viermaligem Besuch des Landes versichern, dass irgendeine Gefahr für Besucher und Touristen nicht besteht.
Die Rebellen haben immer davon abgesehen touristische Einrichtungen zu Zielen ihrer Anschläge zu machen, obwohl es den singhalesischen Staat am empfindlichsten
treffen würde, wenn die wichtige Einnahmequelle des Tourismus versiegen würde. Auch der Anschlag auf den Zahntempel fand in den frühen Morgenstunden statt, so das
sichergestellt war, dass keine Fremden zu Schaden kommen konnten.
Wenn sich der ankommende Tourist erst an die etwas strengeren Kontrollen am Airport gewöhnt und die Hauptstadt Colombo in Richtung Südwesten
verlassen hat, wird er/sie nichts mehr von den Auseinandersetzungen und den Sicherheitsvorkehrungen spüren und mit Sicherheit einen traumhaften Urlaub auf
Sri Lanka verbringen können.
Wie gesagt, es besteht für Besucher und Touristen kein Risiko;
deshalb auf zur Entdeckung einer traumhaften Insel.
Viel Spaß und gute Erholung wünschen
Johannes Backhaus und Familie
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Johannes Backhaus
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